Haydn feat. Hardrock feat. Kriegsbegeisterung
Veröffentlicht: 16. November 2011 Einsortiert unter: All Posts 1 Kommentar »Es ist nicht ganz klar, wer oder was die Verantwortlichen des Bundespresseamts geritten hat, als sie ein Werbefilmchen mit dem unverfänglichen Titel “Die Bundeswehr online” auf den YouTube-Kanal der Bundesregierung stellten. Das Ergebnis aber ist nicht nur mit dem für martialische Militärvideos offensichtlich angebrachten Hardrock unterlegt, zeigt Truppen zu Luft, Land und Wasser sowie Geschütze, Raketen und MG-Feuer im Einsatz, sondern schmückt die zur Schau gestellte Kriegsbegeisterung auch noch mit zwei akustischen Schnipseln der bundesdeutschen Nationalhymne.
Man mag ein solches Filmchen an sich schon für geschichtsvergessen befinden. Aber die Kombination Hymne plus Bombenabwurf hat jemand vor fast einem halben Jahrhundert schon einmal – künstlerisch – umgesetzt: ebenfalls unter Zuhilfenahme des Deutschlandlieds, ebenfalls musikalisch verfremdend, vielleicht aber etwas verstörender (ab 0:53).
Nachtrag, 17. November: Nach deftiger Kritik hat die Regierung einen Rückzieher gemacht: Das Video wurde gelöscht, wie n-tv.de berichtet. Allerdings:
Das Verteidigungsministerium hatte den Film zunächst trotzdem verteidigt. “Mit schnellen Schnittfolgen und moderner Musik entspricht der Beitrag dem Stil zeitgemäßer Youtube-Clips”, sagte der Sprecher. Die Bundesregierung war da offensichtlich anderer Meinung.
2. Nachtrag, 18. November: Das Internet vergisst nicht. Unter diesem YouTube-Konto gibt’s das Video weiterhin, damit kann man sich das Machwerk hier wieder ansehen (via absolut obsolet).
Buchstabensuppe plus
Veröffentlicht: 5. November 2011 Einsortiert unter: All Posts Schreibe einen Kommentar »Schon mal von EurAsEC gehört? Von CACO? Von CSTO oder CAEU? SPECA? CICA? CAREC? Noch nie?
Kein Wunder. Die bisweilen bizarr anmutenden Buchstabenkombinationen stehen für regionale Zusammenschlüsse von Staaten der ehemaligen Sowjetunion, und nicht weniger als 39 solcher Initiativen können zwischen dem Ende des kommunistischen Superstaats 1991 und 2010 gezählt werden.* Seit etwa einem Monat schwimmt in dieser Buchstabensuppe ein neues Akronym: EurAsU.
Noch-Ministerpräsident Wladimir Putin zeichnete Anfang Oktober in einem Zeitungsbeitrag die Vision einer Eurasischen Union, der alle ehemaligen Sowjetrepubliken angehören könnten. Nur zehn Tage nach der Bekanntgabe seiner (sehr wahrscheinlichen) Rückkehr ins Präsidentenamt könnte Putin damit ein kraftvolles Bekenntnis zu Multilateralität und Regionalismus abgegeben haben. Derartig erwartungsvoll reagierte etwa Fyodor Lukyanov, Chefredakteur der Fachzeitschrift “Russia in Global Affairs”, im Guardian auf Putins Vorstoß:
“It’s quite remarkable Putin would start with this. The logic behind it is primarily economic, and in this sense it is different from previous attempts, which were political or just decorative, to show Russian leadership.”
Klar ist: Als erste programmatische Ansage für die dritte Amtszeit hat der Vorstoß Gewicht. Aber wie ernst kann Putins Ansage genommen werden? 20 Jahre post-sowjetische Integrationsbemühungen sprechen eher für magere Aussichten. Und zwar aus vier Gründen:
1. Die Idee ist alles andere als neu: Schon 1994 schlug der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew eine Eurasische Union vor, um die bereits damals dysfunktionale Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zu ersetzen. Nasarbajew ist übrigens immer noch im Amt, genauso wie die GUS noch heute formal fortbesteht. Aus der 1994er-Initiative wurde: genau, nichts.
2. Der Vorstoß ist alles andere als einzigartig: Wie gesagt, insgesamt 39-mal wurden in den 20 Jahren nach Ende der Sowjetunion regionale Initiativen gestartet, 36-mal wurde aus dem jeweiligen Vorschlag (zumindest formal) Wirklichkeit. In 20 Fällen handelte es sich dabei um vollständig neue Kreationen, die mehr als Weiterentwicklungen bestehender Organisationen darstellten. Das macht immer noch im Schnitt einen Vorstoß pro Jahr.
3. Das Projekt könnte alles andere als ernst gemeint sein: In der Vergangenheit waren viele der initiierten Organisationen nicht mehr als Lippenbekenntnisse der beteiligten Staats- und Regierungschefs. Dieser „virtuelle Regionalismus“ heißt, dass die politischen Führer Anerkennung und Legitimität erhalten, ohne aber substanzielle Verpflichtungen zur Aufgabe von Souveränität einzugehen (denn das bedeutet es, Mitglied einer regionalen Organisation zu sein!). Das Ergebnis sind Papiertiger ohne echte Zuständigkeiten und Möglichkeiten.
4. Für Russland, den unumstrittenen regionalen Hegemon, sind multilaterale Projekte in aller Regel machtpolitische Unternehmen: Sie dienen der Ausübung und Ausweitung russischen Einflusses. Moskau überragt seine vermeintlichen Partner in allen Belangen und bestimmt den Kurs „seiner“ regionalen Organisationen qua Diktat. Ein Beispiel: In der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EurAsEC), 2000 als besonders vielversprechendes post-sowjetisches Projekt regionaler Integration initiiert, spiegelt sich die Dominanz Russlands auch in der institutionellen Struktur: Weil Stimmrechte nach Höhe der finanziellen Beiträge vergeben werden, verfügt Russland allein über 40 Prozent der Stimmen – die restlichen vier Partner Weißrussland, Kasachstan, Tadschikistan und Kirgisistan teilen sich die verbleibenden 60.
Vielleicht wird mit EurAsU ja alles anders. Die Zweifel aber überwiegen.
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* Diese und alle anderen Zahlen aus dem Text entstammen dem Kapitel „Ephemeral regionalism: the proliferation of (failed) regional integration initiatives in post-Soviet Eurasia“ aus dem im April 2012 erscheinenden Sammelband „Roads to Regionalism: Genesis, Design, and Effects of Regional Organizations”.
Betrüger der Welt, schaut auf diese Stadt
Veröffentlicht: 24. Februar 2011 Einsortiert unter: All Posts Schreibe einen Kommentar »
Wer in Bayreuth zur Universität vordringen will, der muss Altstadt, Hofgarten und Festspielhaus zunächst hinter sich lassen, durchquert auf der Busfahrt das Wohngebiet Birken mit seinen Vorgärten und Jägerzäunen, und nähert sich dann unweit der A9 auf einer großen Schleife dem Universitätscampus.
Väter gegen Sarrazin
Veröffentlicht: 3. September 2010 Einsortiert unter: All Posts 1 Kommentar »
Eine Gruppe türkischstämmiger Väter will den Thesen von Thilo Sarrazin ihre eigenen Erfahrungen als integrationswillige Migranten entgegensetzen. Und den umstrittenen Bundesbanker nach Berlin-Neukölln einladen.
Alles neu, Amerika Geschichte
Veröffentlicht: 3. September 2010 Einsortiert unter: All Posts Schreibe einen Kommentar »Als Projekt im Dienste der transatlantischen Kommunikationserleichterung gestartet, darf sich das Blog von nun an einem erweiterten Themenspektrum widmen: eigentlich allem, wozu sich meine Feder rührt.
Aus den Untiefen
Veröffentlicht: 8. April 2009 Einsortiert unter: All Posts Schreibe einen Kommentar »Die letzten Wochen und Monate haben mein Blog an seine existenziellen Grenzen gebracht. Anscheinend ist ein Blog nämlich erst dann ein Blog, wenn es… wenn es regelmäßig gepflegt wird. In dieser Kategorie gibt es hier einige Defizite zu verzeichnen, einverstanden. Und sollte ich die definitorischen Grenzen weiter so übermäßig strapazieren, dann… aber das wollen wir doch nicht.
Wo war ich? Wer war ich? Spurensuche.
Durham, North Carolina. Ein gern und oft gesehener Gast in Perkins Library. Bekanntschaft mit Reinigungskräften um 4.30 Uhr morgens und daddelndem Mitbewohner um 7 Uhr. Mit Neuschnee und unheimlicher Stille um 5.30 Uhr auf dem Campusheimweg. Mit frühaufstehenden Heimatfreunden um 2 Uhr, online.
San Antonio, Texas. Remember the Alamo! Bizarre Zusammenkunft von republikanischem Lokalpatriotismus und multinationaler Ansammlung von Fulbrightern aus aller Welt (90 Länder!). Versuch, kaltes Corona im Pool auf dem Dach des Grand Hyatt zu genießen erfolgreich vom law enforcement unterbunden. Besser: hit the bars, endlich. Und das trotz britischem Erbe: Sperrstunde 2 AM.
Maui, Hawaii. Über den Wolken in der Mondlandschaft, auf 3000 Metern über dem Pazifik. Daumendrücken fur F.s Karre on the road to Hana. Durchhalten, nur noch einen Hügel! Farmer’s tan dank Sonne, Sommer, Autofahrt. Bauchansatz dank top chef und Pacifico Beer.
Berlin, Berlin. Und schliesslich, endlich wieder: X-Berg und Schmöckwitz, die wichtigste Frau von allen und die oberschlausten Schmocks von allen Stiftis. Im Waschsalon Max Weber lesen und auf dem Kickplatz: Was ne Serie! Nichts verlernt, der Junge. Aufgekratzte Überheblichkeit und dennoch heiteres Beisammensein.
Zuruck in RDU. Im Kopf noch einmal durchgehen: ATL, SAT, DFW, OGG, LAX, JFK, LHR, TXL. Jetzt Kopf frei machen. Die letzten vier Wochen Arbeit warten.
Und vielleicht mal Stückelsätze abgewohnen. Selbst wenn die Zeit so rast.
Here we go again
Veröffentlicht: 12. Februar 2009 Einsortiert unter: All Posts 3 Kommentare »Fünf Wochen sind schon wieder ins gothic wonderland gegangen.

Vier neue Kurse, etwa fünfundzwanzig neue Bücher, bereits zwei durchwachte Bibliotheksnächte und, Tatsache, von neuem neues Interesse (schwer quantifizierbar). Frisch, neu und unerwartet diese Woche: der Frühling in North Carolina, Winterjacke ade.
Im Schlepptau natürlich altbekannter Stress, aber in neuer Dimension. Das normale Lesepensum ist ambitioniert bis unwirklich, die Essays und Arbeiten außer der Reihe aber sprengen den Rahmen. Meine Kommilitonen teilen sich in Außerirdische, die das reißen, und – mir bislang eher vertraute – normal Ebenirdische, die das nicht so ernst nehmen. Aber, Moment: War dieses Jahr nicht als Kontrastmittel zum FU-Mittelmaß gedacht? Nur einmal im Leben an einer echten Elite-Uni… Oder nein, Auslandsjahr gleich Ausspannjahr! Erzähl mir einer, Erasmus-Studenten würden wirklich was tun…
Spaß beiseite, ich nehm’s natürlich ernst und dumm wär ich, wenn nicht. Kurse mit fünf Mann, exzellente Dozenten, Kommilitonen, die wirklich die Texte gelesen haben – Osianer, horcht auf. Das ist tatsächlich einmalig, bei meinen Maßstäben.
Aber wo bleibt die Abwechslung? Kann ein Studentenleben auf library only reduziert werden? Es kann. Und trotzdem bietet allein der Mikrokosmos Duke genügend Abwechslung und Ausflucht. Ein starkes Kulturprogramm, selten Partys, und: Basketball.
College-Basketball ist Massensport. In den Staaten, in Duke: eine Religion. Die Blue Devils sind seit Jahrzehnten als Spitzenteam bekannt und stellen mit Mike Krzyzewski einen der populärsten Trainer des Landes. Das Cameron Indoor Stadium ist bei Heimspielen knallevoll – mit zahlenden Besuchern (bei regulären Ticketpreisen, für die auch ein Berliner WM-Finale drin gewesen wäre) und mit enthusiastischen Studenten, die für ihre Eintrittskarte allerdings nur stundenlang angestanden sind. Auch ich habe die Erfahrung gemacht beim 76:67 gegen Georgetown Ende Januar. Das Spiel als solches: Naja, kein Fußball. Aber weit spannender als der andere Sport mit B und der mit den großen, schweren, vielen Jungs. Die Atmosphäre: schlicht und ergreifend umwerfend. Die Duke-Fans heißen nicht von ungefähr Cameron Crazies.
Faszination B-Ball ist Tradition und Identitätsstiftung. Auch ne Tradition: für das prestigeträchtigste Spiel der Saison – gegen den Nachbar, North Carolina aus Chapel Hill – zelten. Kein Witz! Seit Anfang Januar wohnen ein paar hundert Verrückte vor dem Stadion in Zelten, um so an Tickets zu kommen. Das ganze heißt dann Krzyzewskiville, ist für einige Wochen eine riesige, versiffte Party und landesweit legendär.
Tradition ist darüber hinaus, nach dem Spiel ein riesiges Siegesfeuer auf dem main quad zu entfachen. Naja. Besagtes Spiel war heute Abend, die Tradition der letzten vier Jahren ist leider auch, das Derby umkämpft, aber doch deutlich an die Tar Heels abzugeben, und was soll ich sagen? 101:87 war deutlich. Das bonfire viel übrigens wegen zu starken Windes aus.
Trübsal, Trübsal! Was soll man machen? Einfache Frage. Ab in die Bibliothek, natürlich.
Just a mirror for the sun
Veröffentlicht: 27. Januar 2009 Einsortiert unter: All Posts 1 Kommentar »Letztens mit H. und einem 7-Sitzer Dodge Grand Caravan unterwegs. Drei Wochen roadtrippin durch 16 Bundesstaaten, Schnee, Schneeregen, Schneesturm, Regen, Sonne, Eiseskälte, Sonne (!) und, äh, eine Zeitzone.
Durham NC – Bluemont VA – Boston MA – Cambridge MA – Killington VT – Woodstock VT – Portsmouth NH – Ogunquit ME – Mansfields MA – Harlem, New York City NY – Philadelphia PA – New Castle DE – Baltimore MD – Williamsburg VA – Hampton VA – Charleston SC – Mt Pleasant SC – Tybee Island GA – Savannah GA – St Augustine FL – Durham NC, das, genau, das war unsere Route roughly entlang der Atlantikküste.
Jetzt stehe ich dummerweise vor dem Dilemma, das dieses Blog explizit NICHT als Reiseberichtablage deklariert wurde. Ein paar Eindrücke dürfen ob ihrer soziokulturellen und persönlichen Bedeutung dennoch geschildert werden. Okay?
Was bleibt also? Sicher die schier endlose Vielfalt. Nur schwer lässt sich begreifen, dass sich all diese Orte in ein und demselben Land befinden sollen. Dass New York eine andere Welt als der Rest der Staaten sein sollte, wurde mir schon vorher gepredigt. Neu war dann die Einsicht, dass sich Leute aus einer Neuenglandkleinstadt, sagen wir, des grünen Vermonts und auf der anderen Seite, zum Beispiel, einer ländlichen Siedlung des südlichen Virginias, dass sich die also nicht wie Bewohner zwei verschiedener Planeten fühlen müssen…
Was verbindet? Drei Wochen im Kurs “Nationalismus, Patriotismus, amerikanischer Exzeptionalismus” lösen bei mir eigentlich die reflexhafte Antwort von Freiheit, Fortschritt, beacon of liberty aus. In echt ist’s vermutlich profaner. Denn was uns auf der Reise nie verlassen hat, dass waren die Ausblicke auf die immer gleichen malls, Einkaufszentren in den Größenordnungen von riesig bis gigantisch, mit den sich immer wiederholenden Kettengliedern: Walmart, Mc Donald’s, Burger King, Wendy’s, Food Lion, Target, Blockbuster, Staples, Walmart, Waffle House, Walmart. Und Red Roof, das von uns zigmal beehrte Budgethotel an Autobahnkreuzungen und -auffahrten.
Einheitsbrei ist ungefähr auch der Ausdruck, der für die so genannte Vorstadtidylle zu gebrauchen wäre. Suburbane Individualität drückt sich in drei verschiedenen Eigenheimmodellen aus, die in willkürlicher Reihenfolge immer wieder wiederholt werden, Kilometer an Kilometer.
Halt. Ich sprach von der Vielfalt! Die hat sich tatsächlich tiefer ins Gedächtnis gegraben als sonst die, gut, schwer erträglichen Absurditäten. Ich greife mal in die Erlebniskiste.
Cambridge, Massachusetts, etwa, wuselige Universitätsstadt auf der anderen Seite des Charles River, Harvard- und MIT-geprägt, super Buchläden. Knöllchen: 55 Dollar. Boston, geschichtsträchtig, irisch, italienisch. Oder Woodstock, Vermont, eingeschneit in den Wäldern der Green Mountains, richtig freundlich und putzig. Im benachbarten New Hampshire zeigen die Autoschilder: Live free or die! Und Konsumsteuer gibt es nicht. Ein Spaziergang auf zugeschneiten Küstenfelsen im südlichen Maine. Im Schneesturm in Connecticut festgesteckt. Im Eisregen in New York Einzug genommen und stolz den Großfamilienwagen durch die Hügel Harlems und zwischen sommerbereiften Großstädtern in die 139th, Ecke Broadway, manövriert. Genuss des WG-Lebens ohne Mitbewohner in der Exilantenbude im Herzen eines Viertels, das heute nicht mehr nur schwarz,
sondern vor allem hispanisch ausschaut. Verzweifelte Versuche, alles, alles von New York zu sehen – erfolgreich aufgegeben nach sieben Tagen. Türverriegelung von innen zum ersten Mal bewusst betätigt in den nördlichen Vorstädten von Philadelphia (Germantown!), nervöser rechter Fuß an jeder Ampel. Was, zehn Dollar fürs Parken? Wenn’s der Sicherheit dient… Die Götter von Soulive live angehimmelt… Auto noch da? Dann: Freiluftmuseale Abschreckung in Williamsburg, Virginia. Erschreckende Armut und Tristesse im Süden der old dominion und im Norden – meines! – North Carolinas. Immer noch kein warmes Wetter in South Carolina, aber Charleston hat zumindest die schönsten Südstaatenhäuser. In Georgia reichen die Sümpfe bis zum Horizont, die Bäume sind uralt und massiv, und von oben hängt das Lousianamoos. Und Savannah ist die sympathischste aller Städte plus, endlich, gutes Wetter. Saint Augustine ist der Floridapflichtbesuch mit, äh, einem schönen Strand.
Am 6. Januar zurück in Durham: Frühstücken mit Chocolate Chip Cookies und Blueberry Muffin zur Freizeitlektüre der Bostock Library. Einmal tief durchatmen, Abschied nehmen.
Wenigstens wir bleiben uns noch für vier Monate erhalten: Hassliebe Gastland und ich.
aufreisend
Veröffentlicht: 31. Dezember 2008 Einsortiert unter: All Posts Schreibe einen Kommentar »Liebe Mitleser, nachträglich erträgliches Weihnachtsfest und im Vorgriff ergreifenden Jahreswechsel!
Maximale Mobilität dank Auto und Ferien auf dem Ostküstentrip hieß bislang auch: langstreckenweise virtuelle Immobilität. Daher so weit keine Meldung und die nächste inhaltsreiche sei hiermit auch schon mal prokrastiniert.
Zu erzählen gibt’s dann sicher was. Wir machen uns jetzt weiter auf nach South Carolina, 2009 soll’s noch bis nach Florida gehen. Hermance grüßt herzlich.
Macht’s gut, ihr.
Weil sonst nichts ist
Veröffentlicht: 18. Dezember 2008 Einsortiert unter: All Posts 2 Kommentare »Asheville, North Carolina, ist das Alternativenmekka der Südstaaten, Magnet für Hippies, Freaks, Liberale und Gesocks: weird people.
Thanksgiving feiern praktisch alle Amerikaner mit ihren Familien. Das ganze Land setzt sich in Bewegung, die Massen walzen dem heimischen Truthahn entgegen.
Internationale Studenten haben ganz offensichtlich keine Familie in den Staaten. Weird people offenbar auch nicht.
Wie wird ein Schuh draus? Naja. Im Goldfischhostel (15 Taler/Nacht) treffen wir auf interessante und witzige, bizarre und unheimliche Persönlichkeiten. Darunter: Der Typ mit den ungewaschenen Haaren, der auf einem Bein stehend im Neuen Testament liest und den ganzen Abend lang immer mit einem Meter Abstand hinter mir herläuft. Oder der verkaufte Zwillingsbruder von Jeff Bridges aus The Big Lebowski. Der Dude erzählt seine Krankheitsgeschichte vier Mal allein am ersten Tag und fährt sonst Taxi. Und schließlich die Frau, die fünfzehn Filme ausleiht und so drei Tage auf der Couch verbringt.
Asheville ist eine nette Stadt, vor allem im Vergleich zu Durham. Um Asheville herum gibt es Nationalparks und Wälder, Wälder, Berge, Wälder. Am zweiten Tag machen wir einen Spaziergang und fahren schön viel Auto. Am Abend des zweiten Tages finde ich meine Uniunterlagen nicht mehr. Erfahrungsgesättigt suche ich die Schuld bei mir und die Unterlagen im ganzen Haus. Hmm. Dann findet A.N. ihre Unterwäsche nicht mehr, F. vermisst seine Hosen und A.B. ihre Bettdecke. Pullover, Socken, Shampoo? Wenigstens der Laptop ist noch da.
Die Schuldige ist bald ausgemacht. Die DVD-Frau hat in einem kleptomanischen Anfall “aufräumen geholfen”. Hostel-”Manager” Justin muss mit der Polizei drohen, ist schwer unter Druck, und außerdem kommen gerade seine Eltern zu Besuch (Thanksgiving!). Schließlich Rauswurf. Mutter weint. Mitreisende Mädels durch den Wind. Niklas: Bierbedarf.
Moment, was ist mit den anderen Freaks? Der Bibeltyp war schon am Tag zuvor wegen ungezahlter Nächte gegangen worden, aber was macht der Dude? Nimmt mich in den Arm und beginnt sich wortreich zu entschuldigen. Was war jetzt noch passiert? “Niklas, es tut mir so leid. Wie kann ich das wieder gutmachen?” Bitte?
“Niklas, als ich heute morgen verkatert auf der Couch aufwachte. Da waren Nudeln auf meinem T-Shirt.” Und? “Niklas, ich habe deine Pasta aus dem Kühlschrank gegessen!”
But sometimes, there’s a man – and I’m talkin’ about the Dude here – sometimes, there’s a man, well, he’s the man for his time and place. He fits right in there.